Donnerstag, 11. September 2014

Von oben ist alles bedeutungslos klein,
ganz einfach und irgendwie sehr allgemein.
Warum nur reimen die  Dichter auf Herzen
meist doch nur die qualvollen Liebesschmerzen?
Hier unten herrscht Chaos, wohin man auch geht,
weil Jeder auf fallenden Standpunkten steht.
Mit geschlossenen Augen sieht es sich schlecht.
Fast Jeder denkt noch, das alles sei echt
und die Sänger singen von ihrem Gesang.
Die Maulwürfe stecken im finstersten Gang,
das Hochhaus wird vor den Wolken zerfallen,
wo die Hilferufe im Staube verhallen.
Ein Lama spuckt in das falsche Gesicht
und man schwimmt mit dem Strom, tut halt seine Pflicht.
Das alles nennt sich dann ganz allgemein
das tragisch erfolgreiche Unglücklich-sein.

Donnerstag, 28. August 2014

Chaos

Abendstunden, träge ziehend,
lasten schwer auf Seelenruh.
Lüfte, vor dem Winde fliehend,
ziehen ihren Vorhang zu.

Dunkle Stunden in der Stille
sind so schreiend, kreischend laut,
werden Jahre in der Fülle,
Freudenstrahlen halb verbaut.

Zweifelnd zwischen Kisten liegend,
sich selbst hassend, nicht die Welt,
ein Gedanke, bald verfliegend,
der kurz fallend aufrecht hält.

Schüttelnd schüttelt Schüttelfrost
Bäume, Meere, Berge, Herz.
Lippen stumm, so starr vor Rost,
lachend schreiend laut vor Schmerz.

Worte rennen wild umher,
suchen, finden nie zum Mund.
All die Nächte wiegen schwer
und niemand kennt den wahren Grund.

Freitag, 15. August 2014

Schatten

Dort wo Licht fällt leben Schatten,
Lernte man als kleines Kind.
Heute sieht man in dem matten
Licht nichts mehr, ist lieber blind,
Verdrängt das Böse in dem Glauben,
Dass es nicht mehr existiert.
Doch die dunklen Schatten rauben,
Bis man sie realisiert.
Klar, man sieht lieber das Helle,
Liebt des Lebens Sonnenschein,
Schwebt am liebsten auf der Welle,
Will fröhlich, frei und glücklich sein.
Doch Schatten wird es immer geben,
Niemand lebt ganz schattenlos.
Sie gehören auch zum Leben,
Sind erst klein und werden groß,
Wenn man sich mit seinem Rücken
Zum Licht stellt und sie ignoriert.
Dann beginnen sie zu drücken,
Von links, von rechts, bis man verliert,
Und selbst ein einzger Schatten ist,
Der nichts mehr kennt als Dunkelheit,
Der still das Leben schwer vermisst,
Der redet von der alten Zeit.
Und darum dreh dich hin zum Licht
Und nimm die dunklen Schatten an.
So überfallen sie dich nicht,
Wo Schatten leben fällt auch Licht.

Dienstag, 8. Juli 2014

Chris

Im Leben musst du ständig rennen,
nimm deine Beine in die Hand!
Du solltest es schon jetzt erkennen,
wir leben hier in einem Land,
in dem die Zeit nicht mit dir geht,
doch einer deiner Feinde ist,
und Jeder der kurz stille steht,
wird vorerst einmal nicht vermisst.
Es liegt wahrscheinlich an dem Ziel:
Wir wollen alles und noch mehr.
Daraus wird ein unfaires Spiel,
die Eimer voll, die Taschen leer,
und dabei bitte weiter laufen,
wer nicht gewinnt hat ganz verloren,
und muss die Seele dann verkaufen,
er wurde doch dazu geboren,
dem Zweck zu dienen und zu rennen
und Kraft dabei nicht zu verlieren.
Und wenn wir uns daran verbrennen,
können wir daran auch nicht erfrieren.
Das Rennen scheint ein Kampf zu sein,
doch noch viel schwerer ist das Stehen,
sich von der Masse zu befrei'n
und in die andere Richtung gehen.
Wer das geschafft hat, ist ein Sieger
und kann als helles Licht verbrennen,
und lernte als der Überflieger
nicht mit der Masse mitzurennen,
nicht vor dem Leben wegzurennen.

Sonntag, 22. Juni 2014

Clara

Ja, es stimmt, es gibt den Krieg,
und jeder strebt nach seinem Sieg,
es herrscht der Kampf um Macht und Geld
und trotzdem ist doch diese Welt
der schönste Platz auf Erden.

Ja, es stimmt, es gibt den Hass,
wenn alles geht, auf ihn verlass
dich wenn es am schlimmsten ist,
denn Hass ist der, der nie vergisst.
Er quält die Liebe, bis sie fällt
und trotzdem ist doch diese Welt
der schönste Platz auf Erden.

Ja, es stimmt, es gibt das Leid,
es existiert seit langer Zeit,
zerstört, was selbst sich nicht mehr hält
und trotzdem ist doch diese Welt
der schönste Platz auf Erden.

Ja, es stimmt, die Welt ist schlecht,
so hart und schrecklich ungerecht,
so gierig und schon fast verloren,
täglich wird Unheil neu geboren,
man sieht ja, wie es sich verhält
und trotzdem ist doch diese Welt
der schönste Platz auf Erden.

All dies ist nun einmal wahr,
doch offenen Auges sieht man klar,
die Welt ist oft viel mehr als schlecht.
Vielleicht ist sie zwar ungerecht,
doch hat sie viele gute Seiten,
darüber lässt es sich nicht streiten.
Drum sollte man sich umentschließen,
und diese Welt lieber genießen,
denn sie ist alles, was uns hält
und somit ist wohl unsre Welt
der schönste Platz auf Erden.

Spiegelbild

Tag für Tag muss man ihn wagen -
den tiefen Spiegelblick.
Man findet meistens was zu klagen -
zu groß, zu dünn, zu dick.
Man sieht die Makel kritisch an
und fragt sich, was man ändern kann,
man wechselt mal die Position.
Man sucht verzweifelt Perfektion,
die man täglich woanders sieht,
findet sie nicht, sodass man flieht
vor seinem eigenen Spiegelbild.
Sich selbst verachtend, taub und wild
wird man dann vor sich selber blind,
denkt "Keiner mag mich" wie ein Kind
und will den Spiegel blind zerschlagen.
Hier liegt das wirkliche Versagen!
Was bitte ist denn Perfektion?
Ein Irrtum aller großen Massen,
die sich und ihre Leben hassen,
nichts als 'ne tote Illusion.
Schau in den Spiegel tief hinein,
blick in dein eignes kleines Herz.
Ist es nicht groß und sanft und rein?
Verdient es diesen Selbsthassschmerz?
Sieh es am besten jetzt gleich ein,
du kannst doch niemand anderes sein,
als du nun bist, im Jetzt und Hier.
Darum verzweifle nicht an dir.
Du bist bildschön, auf deine Weise,
und Zweifel sind mal laut, mal leise.
Der Spiegel zeigt dir nur dein Bild,
nicht wer du innen bist.
Du siehst nur dein Aushängeschild,
doch nichts, was wichtig ist.

Samstag, 7. Juni 2014

Schlafen

Vergessen, wie das Schlafen geht
hab ich mich zehnfach umgedreht,
bin nun todmüde, doch der Krach
in meinem Kopf hält mich hellwach.
Schaue nach draußen in die Nacht
und nun wird Alles überdacht.
Wieso war dies, weshalb, warum?
Und es geht stets im Kreis herum.
Der Kopf wird niemals gänzlich still,
ganz gleich, wie sehr ich es auch will.
Ich spiel mit mir das irre Spiel:
Erreichen muss ich jedes Ziel.
Schaff ich es nicht, wird es bei Nacht
zum Gegenstand der Angst gemacht,
die sich gekonnt mit Ehrgeiz paart.
Das macht die Nächte wirr und hart,
weil alles schläft, in Frieden ruht
und nur mein Kopf es schlicht nicht tut.
Und trotzdem liebe ich die Zeit,
in der sich alles das befreit,
was sich am Tag gekonnt verschließt
und nachts dann in Gedanken fließt.
Zwar lieb' ich, was die Nacht mir gibt,
doch manchmal hasst man, was man liebt.
Ich habe es schon akzeptiert,
dass Schlafen halt nicht funktioniert.